Arbeitsmodell

Die AI-Ready Marketing-Organisation

Kleiner als die Marketing-Abteilung von gestern. Leistungsfähiger als die meisten von heute. Ein Arbeitsmodell dafür, wie Marketing-Organisationen aufgebaut werden, wenn man sie jetzt neu baut.

Der Hiring-Plan von 2019

Ein Geschäftsführer sitzt vor seinem Marketing-Hiring-Plan: Content Manager, Performance Manager, Social Media Manager, ein Grafiker, dazu ein Werkstudent fürs Reporting. Jede Rolle für sich nachvollziehbar. Zusammen ergeben sie eine Abteilung, wie man sie 2019 gebaut hätte.

Diese Rollen sind nicht falsch, das ist nicht das Problem. Die Arbeit und die Aufgaben sind immer noch da, auch nicht weniger. Das Problem ist, dass der Plan eine Organisation nachbaut, die es so nicht mehr geben muss.

Warum das alte Modell bricht

Klassische Marketing-Abteilungen sind nach Kanälen und Formaten organisiert. Eine Person für Social. Eine für Ads. Eine für Content. Eine für Design. Das erzeugt Silos und an jeder Naht zwischen den Silos entsteht Arbeit in Form von Handovers: Briefings, Abstimmungen, Adaptionen, Reporting-Fleißarbeit.

AI verschärft dieses Problem nicht. AI macht es sichtbar. Denn genau die Arbeit an den Nähten ist heute automatisierbar und damit verlieren die Silos ihre Existenzberechtigung. Wer AI-Tools in eine Silo-Organisation einführt, automatisiert einzelne Handgriffe und lässt die Struktur unangetastet. Der Effekt verpufft. Die eigentliche Veränderung liegt nicht in den Tools, sondern im Zuschnitt der Organisation.

Das Arbeitsmodell: vier Funktionsbereiche

Was folgt, sind keine Jobtitel. Titel ändern sich derzeit alle sechs Monate. Es sind Funktionsbereiche und ihr Zusammenspiel. Wie sie im Einzelfall benannt und besetzt werden, hängt vom Unternehmen ab.

Systeme und Nachfrage

Hier wird die Lead-Engine gebaut und gesteuert: Kanalarchitektur, Kampagnenlogik, Budgetsteuerung, Experimente, Attribution. Der Mensch trifft die Entscheidungen über Struktur und Prioritäten. Agenten übernehmen Kampagnen-Varianten, Anzeigenrotation und erste Auswertungsschleifen.

Schnittstellen: bekommt Daten aus dem Engineering-Bereich, liefert Anforderungen an die Kreation.

Kreation und Marke

Der Mensch verantwortet Konzept, Markenkonsistenz und Urteilsvermögen. Agenten produzieren Varianten, Formate, Adaptionen und Rohfassungen in einem Volumen, für das früher ein halbes Team nötig war.

Die Konsequenz: Produktionskapazität ist keine Frage der Teamgröße mehr. Der Engpass verschiebt sich zu Geschmack und Urteil. Wer entscheidet, was gut genug ist und was zur Marke passt, wird wichtiger als wer produziert.

Engineering und Datenfluss

Die Funktion, die es 2019 in mittelgroßen Marketing-Organisationen schlicht nicht gab: CRM, Marketing-Automatisierung, Datenanreicherung, Integrationen und die Orchestrierung der Agenten selbst. Dieser Bereich sitzt bewusst an der Naht zu Sales, dort wo Revenue Operations entsteht, denn eine Lead-Engine endet nicht an der Abteilungsgrenze.

Solche Systeme sind in jeder Unternehmensgröße baubar. Ich nutze sie selbst für meine eigene Arbeit: automatisierte Marktbeobachtung, Datenanreicherung und Signal-Erkennung laufen bei mir als Agenten im Hintergrund. Nicht als Spielerei, sondern als Teil der Engine.

Führung

Eine Person verantwortet das Zusammenspiel: priorisiert, löst Zielkonflikte und übersetzt nach oben, in Richtung Geschäftsführung, Board und Zahlen.

Diese Führung wird am dringendsten gebraucht, wenn die Organisation gebaut wird. Danach überblickt sie das Zusammenspiel von Mensch und Maschine, baut kontinuierlich aus und entwickelt das System weiter.

Was Agenten übernehmen und was nicht

Ein ehrlicher Blick, denn hier wird derzeit viel versprochen.

Agenten übernehmen Produktion, Wiederholung, Rohfassungen von Auswertungen und Rechercheschleifen. Alles, was ein klares Muster hat und in Volumen anfällt.

Agenten übernehmen nicht: Positionierung, Priorisierung, Urteil und Verantwortung. Niemand delegiert die Entscheidung, welcher Markt zuerst kommt oder welche Botschaft die Marke trägt, an ein System.

Und vieles davon läuft heute halbautomatisch und braucht Aufsicht. Dieses Modell beschreibt eine Richtung, keinen fertigen Zustand.

Die Rechnung

Eine Organisation aus vier bis fünf Personen plus Agenten-Ebene erbringt die Leistung, für die eine klassisch geschnittene Abteilung zehn bis zwölf Personen brauchte.

Das ist keine Einsparungs-Geschichte. Es ist eine Erreichbarkeits-Geschichte: Eine Marketing-Organisation mit dieser Schlagkraft konnten sich bisher nur Konzerne leisten. Zum ersten Mal ist sie für Mittelstand und Startups baubar. Für Unternehmen, die nie zwölf Marketing-Stellen budgetieren konnten, ist das die eigentliche Nachricht.

Der Weg dahin ist kein Umbau über Nacht

Niemand tauscht sein bestehendes Team gegen ein neues Organigramm. Der Weg führt über Nachbesetzungen, über den Umbau von Rollen bei natürlicher Fluktuation und über das schrittweise Einziehen der Engineering-Funktion.

Die Reihenfolge entscheidet: erst Datenfluss und Messbarkeit, dann Agenten, dann Strukturumbau. Wer es andersherum macht, automatisiert Chaos.

"Die Marketing-Organisation von morgen ist kleiner als die von heute und besser."
Christian Drongowski

Wo steht Ihre Organisation?

Die eigentliche Frage ist nicht, ob dieses Modell kommt. Sondern wie weit die eigene Organisation davon entfernt ist. Drei Prüffragen:

  • Weiß jemand im Unternehmen, ob der AI-Einsatz im Marketing Pipeline erzeugt oder nur Beschäftigung?

  • Gibt es die Engineering-Funktion als bewusste Rolle oder hängt sie unsichtbar an einer ohnehin überlasteten Person?

  • Wenn morgen die produktivste Marketing-Person kündigt: Steht dann das System still oder läuft es weiter?

Wer zwei dieser Fragen nicht sicher beantworten kann, hat keine Tool-Lücke, sondern eine Organisationsaufgabe.

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